Die Beerdigung war schön, wirklich. Naja, so wie eine Beerdigung nunmal schön sein kann.
Ein paar Freunde von Seppo haben eine Band. Die haben gespielt. Eigentlich waren wohl zwei Lieder geplant, aber nach dem ersten kam keiner mehr so richtig klar. Die Auswahl ist nicht so besonders originell, aber passend.
So Long Goodbye von Sum41
Das zweite wäre glaube ich Everything's an Illudion von Mayday Parade gewesen. Bisschen Emo, aber passt ja zum Thema.
Später, als wir "jungen Leute" dann noch zu nem Freund in den Garten gegangen sind, kam irgendwann Kill All Your Friends von My Chemical Romance. Ein wenig Ironie ist schon dabei.
'Cause we all wanna party when the funeral ends
And we all get together when we bury our friends
Tatsächlich kamen später noch ziemlich viele Leute zum Garten. Die, die Seppo zwar kannten, aber nicht wirklich mit ihm befreundet waren. Nicht gut genug, um auf die Beerdigung zu gehen. Da sind wir also wieder, zwei Jahre nach der letzten Beerdigung und stoßen auf den nächsten toten Freund an. Und weil Seppo und Robert beste Freunde waren, waren auch so ziemlich die gleichen Leute wieder dabei. Vielleicht machen wir 'ne Tradition draus. Mal sehen wen's als nächstes erwischt.
In jedem Fall trifft mich Seppos Tod weniger hart als der von Robert. Ich meine, natürlich bin ich traurig. Mehr als das. Aber es ist nicht so... essentiell. Seppo war mir wichtig, aber er war nicht überlebenswichtig. Ich kann ohne ihn leben, das weiß ich. Hört sich irgendwie herzlos an, aber im direkten Vergleich ist das eben so. Irgendwie werde ich drüber hinwegkommen.
Blöderweise spüre ich grade jetzt wieder, wie sehr Robert fehlt. Wie sehr ich ihn brauche. Wie unglaublich gerne ich seine Stimme hören würde, seine Umarmung spüren würde. Der Gedanke, dass es dazu niemals wieder kommen wird, ich ihn nie wieder sehen werde, nicht eine einzige Sekunde, tut grade mehr weh als je zuvor.
Montag, 13. Mai 2013
Mittwoch, 8. Mai 2013
#14
"Es tut mir leid, dass ich mein Leben und die Menschen darin nicht
genug lieben konnte um hierbleiben zu können und es tut mir leid, dass
ich euch alle so verletzt habe und es jetzt grade wieder tue. Ich hätte
mir auch für mich selbst gewünscht, anders zu sein oder anders sein zu
wollen. Die Wahrheit ist, das hier ist, was ich will und ich weiß, dass
ihr trauern werdet, aber bemitleidet mich nicht für etwas, was meine
eigene Entscheidung war. Ich bin glücklich und ich wünsche mir, dass ihr
es trotz all dem hier auch werdet."
Ein Teil aus Seppos Abschiedsbrief, den seine Mutter mir gestern abfotografiert bei Facebook geschickt hat. Sie hat sich 239075 Mal für die Art entschuldigt, wie wir diesen Brief erhalten haben. Ihr war es nur sehr wichtig, dass seine Freunde den Brief so schnell wie möglich lesen können. Er hat wohl einen Zettel danebengelegt mit Namen von Leuten, die ihn als erstes erhalten sollen. Ich weiß nicht, ob ich an Stelle seiner Mutter schon einen Tag nach der Sache die Kraft dafür gehabt hätte. Respekt und Dankbarkeit an sie dafür, dass sie trotz allem noch an andere denken kann. Ich kann's nicht.
Das da oben ist nur ein kleiner Ausschnitt, im Original sind's fast 3 hangeschriebene karierte Seiten. Irgendwie ist das aber die Stelle, die mich am meisten berührt (was sich jetzt natürlich blöd anhört, mich berührt der ganze scheiß Brief). Ich glaube das ist so, weil er hier klarstellt, dass es seine Entscheidung war. Sein Leben, sein Tod. Nicht unser Fehler. Vielleicht kann ich das irgendwann wirklich glauben.
Ein Teil aus Seppos Abschiedsbrief, den seine Mutter mir gestern abfotografiert bei Facebook geschickt hat. Sie hat sich 239075 Mal für die Art entschuldigt, wie wir diesen Brief erhalten haben. Ihr war es nur sehr wichtig, dass seine Freunde den Brief so schnell wie möglich lesen können. Er hat wohl einen Zettel danebengelegt mit Namen von Leuten, die ihn als erstes erhalten sollen. Ich weiß nicht, ob ich an Stelle seiner Mutter schon einen Tag nach der Sache die Kraft dafür gehabt hätte. Respekt und Dankbarkeit an sie dafür, dass sie trotz allem noch an andere denken kann. Ich kann's nicht.
Das da oben ist nur ein kleiner Ausschnitt, im Original sind's fast 3 hangeschriebene karierte Seiten. Irgendwie ist das aber die Stelle, die mich am meisten berührt (was sich jetzt natürlich blöd anhört, mich berührt der ganze scheiß Brief). Ich glaube das ist so, weil er hier klarstellt, dass es seine Entscheidung war. Sein Leben, sein Tod. Nicht unser Fehler. Vielleicht kann ich das irgendwann wirklich glauben.
Dienstag, 7. Mai 2013
#13
Bin heute morgen aufgestanden, Pulli an und mit Kaffee und Zigarette auf die Terrasse. Erstmal durchatmen.
Ich kann immer noch nicht glauben, was gestern passiert ist. Kann nicht weinen, weil ich es einfach noch nicht begreife. Er hat sich umgebracht. Er hat's direkt beim ersten Versuch durchgezogen. Tausend neue Fragen rasen durch meinen Kopf, ich kann überhaupt nicht denken.
Wie konnte das nur passieren? Hätte ich mehr tun müssen, hätte ich die Zeichen besser deuten müssen, ihm mehr helfen müssen? Hab vorhin mit einer guten Freundin telefoniert, sie stellt sich dieselben Fragen. Alle fragen sich, warum niemand da war.
Scheiße. Wir haben's verkackt. Und ich hab das Gefühl, ich ganz besonders. Scheiße.
Mein Vater sagt, dass wir uns nicht schuldig fühlen dürfen. Dass wir Seppo nicht allein gelassen haben, er hätte sich Hilfe suchen können, wir haben ihm unsere angeboten. Aber er hat sich dafür entschieden, zu sterben. Seine Entscheidung, sein Leben. Nicht unser Fehler.
Ich versuche daran zu glauben, dass es nicht unsere, nicht meine Schuld ist. Trotzdem kann ich nicht anders, als ganz furchtbar wütend zu werden. Auf mich, weil ich nicht mehr auf ihn eingegangen bin. Und auf Robert, weil mit seinem Tod der ganze Scheiß hier erst angefangen hat.
Ich kann immer noch nicht glauben, was gestern passiert ist. Kann nicht weinen, weil ich es einfach noch nicht begreife. Er hat sich umgebracht. Er hat's direkt beim ersten Versuch durchgezogen. Tausend neue Fragen rasen durch meinen Kopf, ich kann überhaupt nicht denken.
Wie konnte das nur passieren? Hätte ich mehr tun müssen, hätte ich die Zeichen besser deuten müssen, ihm mehr helfen müssen? Hab vorhin mit einer guten Freundin telefoniert, sie stellt sich dieselben Fragen. Alle fragen sich, warum niemand da war.
Scheiße. Wir haben's verkackt. Und ich hab das Gefühl, ich ganz besonders. Scheiße.
Mein Vater sagt, dass wir uns nicht schuldig fühlen dürfen. Dass wir Seppo nicht allein gelassen haben, er hätte sich Hilfe suchen können, wir haben ihm unsere angeboten. Aber er hat sich dafür entschieden, zu sterben. Seine Entscheidung, sein Leben. Nicht unser Fehler.
Ich versuche daran zu glauben, dass es nicht unsere, nicht meine Schuld ist. Trotzdem kann ich nicht anders, als ganz furchtbar wütend zu werden. Auf mich, weil ich nicht mehr auf ihn eingegangen bin. Und auf Robert, weil mit seinem Tod der ganze Scheiß hier erst angefangen hat.
Montag, 6. Mai 2013
#12
"Happiness damn near destroys you,
breaks your faith to pieces on the floor.
So you tell yourself, that's enough for now.
Because happiness has a violent roar."
Ein ziemlich tiefer Fall, von ganz oben nach ganz unten. Von jetzt auf gleich. Alles war wunderbar, mit dem schönen Wetter kamen auch wieder die wirklich guten Zeiten. Für mich und meine Freunde jedenfalls. Wir waren so verdammt glücklich.
Ich weiß grade nicht, ob ich hier schonmal so direkt über diese Person geschrieben habe, um die's jetzt geht. Also vor mittlerweile über 2 Jahren ist ein sehr guter Freund von mir gestorben. Robert. Der hatte wiederum einen besten Freund, Sebastian oder einfach Seppo. Ich war nie wirklich eng mit Seppo befreundet, wir kannten uns eben über Robert aber viel mehr war da auch nicht. Erst nach Robs Tod sind wir uns näher gekommen, weil wir irgendwie beide das Gefühl hatten, dass wir die einzigen waren, die ihn auf die gleiche und einzige Art wirklich gekannt haben.
Jedenfalls haben wir viel Zeit gemeinsam verbracht, hauptsächlich um irgendwie über die Sache mit Robert hinwegzukommen. Hat auch ganz gut funktioniert, jedenfalls am Anfang. Irgendwann sind wir uns dann irgendwie.. ja wie soll man sagen, sehr sehr nah gekommen. Anders kann man das einfach nicht sagen, wirklich verliebt waren wir beide nicht aber es war sicher mehr als "nur ficken". War allerdings eine einmalige Sache, weil wir glaube ich beide ein schlechtes Gewissen wegen Robert hatten und danach haben sich unsere Wege mehr oder weniger getrennt. Ich hab mein Leben normal weitergeführt, vielleicht meine Freunde im Alkoholrausch gelegentlich vollgeheult und mich zuhause in meinem Bett selbst bemitleidet, aber ich kam klar. Seppo hat sich ziemlich zurückgezogen aus seinem ursprünglichen Freundeskreis, ist plötzlich super alternativ geworden und hat auf Partys plötzlich weniger getrunken, dafür hübsche bunte Pillen geschluckt. Hat niemals die Ärmel seiner Pullis hochgezogen. Niemals.
Vor ein paar Wochen haben wir uns dann nochmal getroffen, eigentlich aber eher zufällig. Sind dann zusammen einen Kaffee trinken gegangen und er hat erzählt, dass er seine Abizulassung nicht bekommen hat und jetzt wiederholen muss. Er sah total fertig aus, Augenringe und blasse Haut, zwar ein Lächeln auf den Lippen, aber nicht in den Augen. Er tat mir wirklich leid, aber ich hab mir ehrlich gesagt nicht viel dabei gedacht außer "hoffentlich fängt er sich wieder". Ich wusste, dass er seit Robert nie wieder wirklich enge Freundschaften gehabt hat, also hab ich ihn umarmt und ihm gesagt, dass er mich immer anrufen kann. Wie direkt nach Roberts Tod, wo wir ständig spontan was gemacht haben, wenn einer von uns am Boden war. Er hat sich nach diesem Tag nicht mehr gemeldet.
Heute Vormittag waren wir dann mit ein paar Leuten am See. Marco, auch ein Kumpel von Seppo, kommt mit dem Fahrrad. Ob wir's schon gehört hätten. Fragezeichen in unseren Gesichtern. Na, das von Seppo. Hat sich wohl in der Nacht von Sonntag auf Montag beide Unterarme längs aufgeschnitten. Angeblich vollgepumpt mit irgendwelchen Drogen.
Immer noch Fragezeichen. Und immer wieder das letzte Mal, dass ich ihn gesehen habe. "Du kannst mich immer anrufen, ich bin immer für dich da". Alles nichts wert gewesen.
breaks your faith to pieces on the floor.
So you tell yourself, that's enough for now.
Because happiness has a violent roar."
Ein ziemlich tiefer Fall, von ganz oben nach ganz unten. Von jetzt auf gleich. Alles war wunderbar, mit dem schönen Wetter kamen auch wieder die wirklich guten Zeiten. Für mich und meine Freunde jedenfalls. Wir waren so verdammt glücklich.
Ich weiß grade nicht, ob ich hier schonmal so direkt über diese Person geschrieben habe, um die's jetzt geht. Also vor mittlerweile über 2 Jahren ist ein sehr guter Freund von mir gestorben. Robert. Der hatte wiederum einen besten Freund, Sebastian oder einfach Seppo. Ich war nie wirklich eng mit Seppo befreundet, wir kannten uns eben über Robert aber viel mehr war da auch nicht. Erst nach Robs Tod sind wir uns näher gekommen, weil wir irgendwie beide das Gefühl hatten, dass wir die einzigen waren, die ihn auf die gleiche und einzige Art wirklich gekannt haben.
Jedenfalls haben wir viel Zeit gemeinsam verbracht, hauptsächlich um irgendwie über die Sache mit Robert hinwegzukommen. Hat auch ganz gut funktioniert, jedenfalls am Anfang. Irgendwann sind wir uns dann irgendwie.. ja wie soll man sagen, sehr sehr nah gekommen. Anders kann man das einfach nicht sagen, wirklich verliebt waren wir beide nicht aber es war sicher mehr als "nur ficken". War allerdings eine einmalige Sache, weil wir glaube ich beide ein schlechtes Gewissen wegen Robert hatten und danach haben sich unsere Wege mehr oder weniger getrennt. Ich hab mein Leben normal weitergeführt, vielleicht meine Freunde im Alkoholrausch gelegentlich vollgeheult und mich zuhause in meinem Bett selbst bemitleidet, aber ich kam klar. Seppo hat sich ziemlich zurückgezogen aus seinem ursprünglichen Freundeskreis, ist plötzlich super alternativ geworden und hat auf Partys plötzlich weniger getrunken, dafür hübsche bunte Pillen geschluckt. Hat niemals die Ärmel seiner Pullis hochgezogen. Niemals.
Vor ein paar Wochen haben wir uns dann nochmal getroffen, eigentlich aber eher zufällig. Sind dann zusammen einen Kaffee trinken gegangen und er hat erzählt, dass er seine Abizulassung nicht bekommen hat und jetzt wiederholen muss. Er sah total fertig aus, Augenringe und blasse Haut, zwar ein Lächeln auf den Lippen, aber nicht in den Augen. Er tat mir wirklich leid, aber ich hab mir ehrlich gesagt nicht viel dabei gedacht außer "hoffentlich fängt er sich wieder". Ich wusste, dass er seit Robert nie wieder wirklich enge Freundschaften gehabt hat, also hab ich ihn umarmt und ihm gesagt, dass er mich immer anrufen kann. Wie direkt nach Roberts Tod, wo wir ständig spontan was gemacht haben, wenn einer von uns am Boden war. Er hat sich nach diesem Tag nicht mehr gemeldet.
Heute Vormittag waren wir dann mit ein paar Leuten am See. Marco, auch ein Kumpel von Seppo, kommt mit dem Fahrrad. Ob wir's schon gehört hätten. Fragezeichen in unseren Gesichtern. Na, das von Seppo. Hat sich wohl in der Nacht von Sonntag auf Montag beide Unterarme längs aufgeschnitten. Angeblich vollgepumpt mit irgendwelchen Drogen.
Immer noch Fragezeichen. Und immer wieder das letzte Mal, dass ich ihn gesehen habe. "Du kannst mich immer anrufen, ich bin immer für dich da". Alles nichts wert gewesen.
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