Ich bin seit Samstag verdammt erkältet und ich will nicht mehr. Ich bin nie krank, nie nie nie, wieso ausgerechnet jetzt? Ok, vielleicht bin ich ein bisschen selbst schuld. Bei 0 °C mitten auf der Straße liegen und Sterne gucken ist nicht unbedingt gesund, aber andererseits war das eins der interessantesten Gespräche seit langer Zeit. Trotzdem, ich wäre jetzt lieber gesund. Vor allem, weil die beschissene Erkältung meine Laune total in den Keller drückt. Ich liege praktisch den ganzen Tag im Bett, genug Zeit also, sich mal wieder viel zu viele Gedanken zu machen. Heute war ich wieder in der Schule, musste hinlaufen weil kein einziger Bus fuhr, hab meine Schlüssel vergessen, sinnlose Freistunden gehabt, Ärger bekommen weil ich meine Hausaufgaben nicht hatte. An sich alles nicht so schlimm, wenn ich nicht sowieso schon so fertig gewesen wäre. Und dann der absolute Knaller, ich hatte die Freistunden ausgerechnet mit der Person, um die es im letzten Post ging. Bedeutet: 2 Stunden lang pausenlos Salz in die Wunde. Mein letztes bisschen Stolz hat mich zum Glück davon abgehalten, vor versammelter Mannschaft in Tränen auszubrechen.
Das kam erst, als ich endlich wieder zuhause war. Es war wirklich einer meiner schlimmsten Heulkrämpfe seit zwei Jahren. Irgendwie kam heute alles zusammen, Krankheit, Pech und diese Person und das musste eben raus. Hab ich eigentlich auch kein Problem mit, blöd war nur, dass meine Mutter es natürlich mitbekommen hat. Das hat dann sofort wieder zu einer Krisensitzung geführt, weil meine Mutter seit Roberts Tod denkt, ich wäre depressiv und essgestört und suizidgefährdet und was weiß ich. Sie meint auch schon seit längerer Zeit, ich solle eine Therapie machen. Ich hab sie erst letztens erfolgreich davon überzeugen können, dass ich das nicht brauche und jetzt dieser Zusammenbruch direkt vor ihren Augen. Perfekt.
Natürlich hab ich auch schonmal über eine Therapie nachgedacht und in manchen Punkten muss ich meiner Mutter schon Recht geben. An besonders schlimmen Tagen (die mittlerweile ausgesprochen selten geworden sind) hab ich diesen Ess-Brech-Kreisel bis zu 7 Mal durchgezogen. Ich hab mal aus Wut auf mich selbst so feste mit der Faust gegen eine Wand geschagen, dass ich geblutet habe. Im Sommer sind wir mit Freunden von einer Brücke in den See gesprungen, obwohl da schon viele bei draufgegangen sind. Von der Brücke bin ich mit 5 anderen gesprungen, ich wollte nicht sterben, ich wollte Adrenalin. Die anderen Sachen, naja das ist vielleicht nicht ganz gesund. Aber das ist einfach was ganz anderes, als wenn sich regelmäßig selbst verletzt oder eine richtige Essstörung hat. Ich hab mir eine Zeit lang überlegt, ob ich in irgendeiner Form depressiv sein könnte. Allerdings hab ich mich auch von dem Gedanken schnell wieder verabschiedet, ich meine mein bester Freund ist tot, da ist es normal wenn ich mal Phasen habe, in denen es mir beschissen geht. Mittlerweile hab ich auch verstanden, dass zwischen Traurigkeit und Depression ganze Welten liegen.
Zusammengefasst behaupte ich von mir selbst einfach mal, dass ich keine Therapie brauche. Ich weiß ja, was meine Probleme sind. Vor allem glaube ich, dass es da draußen einen Haufen Menschen gibt, die meinen Platz dringender brauchen als ich. Für mich wäre es ja reine Bequemlichkeit, eine Psychologin mit meinem Scheiß vollzuquatschen, anstatt mich einfach aus meinem Selbstmitleid zu befreien. Wieso ich das jetzt alles aufgeschrieben habe? Nun ja, ich glaube ich musste mich ausschreiben, um mich selbst nochmal davon zu überzeugen, dass ich keine Therapie brauche. Meine Mutter kann nämlich verdammt überzeugend sein und fast wäre ich eingeknickt. Aber wie gesagt, es gibt Leute mit echten Krankheiten und eine Therapie zu machen würde sich für mich anfühlen, als würde ich diese Menschen verspotten. Ich würde mich einfach mies fühlen. Und ich brauche eh keine, also Schluss jetzt mit diesem bescheuerten Thema.
*husthust*
AntwortenLöschenTherapie. Depression. Essstörung. Selbstverletzen.
Okay. Ich fang mal von vorne an:
Es gibt einen Unterschied zwischen "Phasen" und "Depression". Das diese besagten Phasen zur Depression werden erkennt das Umfeld meist vor einem selbst. Man muss sich vernünftig reflektieren und seinen Stolz bei Seite lassen. Dieser verhindert oft das wirkliche, eigene erkennen und anerkennen einer Depression.
Depression hat nicht zwangsläufig was mit auto-aggressivem Verhalten [sprich: Ritzen] was zu tun. Es gibt viele depressive Menschen, die sich nicht selbst verletzen (mich zum Beispiel :) ) und dennoch in Therapie sind.
Zu wissen, was die eigenen Probleme sind, heißt nicht zwangsläufig, dass man dort alleine heraus kommt. Und sich selbst aus seinem Selbstmitleid herauszuziehen funktioniert ab einem bestimmten Punkt auch nicht mehr.
Du würdest niemanden verspotten. Jeder, der Hilfe brauch und WILL verdient diese.
Und seine wir mal ehrlich, niemand kann einem vorwerfen, wenn man aufgrund des Todes des besten Freundes depressiv wird.
Abgesehen davon: ich will nicht wissen, wie viele Leute sich das Leben genommen haben, weil sie ihre Krankheit nicht ernst oder wahrgenommen haben. Bis es zu spät war.
Ich will damit nicht sagen, dass du in Therapie gehen solltest. Das kann ich nicht beurteilen, ohne mit dir ein Wort gewechselt zu haben (ich mein so im real life, das irgendwo außerhalb der Blogger-Welt herum schwirrt...)
Ich möchte nur, dass du, wenn du über eine Therapie/Depression diese Aspekte mitbeachtest und: Du musst gnadenlos ehrlich zu dir sein.
xo!