Ok, anscheinend war das mit dem "oh nein ich bin so so wütend" doch eher eine Ausgeburt von temporärer Aggression, Langeweile und Überinterpretation. Letzteres ist seit einiger Zeit übrigens mein Spezialgebiet. Klar, ich war wütend am Montag, aber wer wäre das nicht nach einem Streit mit seinen Freunden. Ich analysiere aber natürlich erstmal jeden meiner Gedanken bis ins Detail und denk mir dann irgendeine pseudo-philosophische Erklärung für mein bescheuertes Verhalten aus. Es war mir irgendwie immer wichtig, nicht zu den Leuten zu gehören, die vollkommen gedankenlos in den Tag leben und keine ihrer eigenen Handlungen hinterfragen. Soweit kein Problem, ich hab mir also vorgenommen mir mehr Gedanken über meine Handlungen zu machen. Vielleicht hätte mir damals schon auffallen müssen, dass es herzlich wenig bringt, total tiefsinnig über seine Gedanken nachzudenken nachdem man sie in die Tat umgesetzt hat. Und so sitz ich also regelmäßig in meinem Gartenstuhl (ja, auch bei Schnee) und grübel über alles nach, was ich in meinem Leben so verbockt hab. Wie man hier nachlesen kann, hat meine letzte Selbstanalyse ergeben, dass mein Aussetzer auf meine noch nicht überwundene Trauer um meinen besten Freund zurückzuführen ist. Quatsch, nach 2 Jahren noch zu trauern ist zwar normal, aber es ist schon lange keine Entschuldigung mehr für übermäßigen Alkoholkonsum oder, simpel ausgedrückt, hemmungslose Sauferei.
Das paradoxe an diesem Text ist irgendwie, dass ich darüber schreibe, dass ich meine eigenen Handlungen überinterpretiere, obwohl ich ja genau so eigentlich auch zu dem Schluss gekommen bin, dass ich zu viel denke. Hm.
Das lässt mich irgendwie wieder in die andere Richtung zurückdenken, vielleicht mache ich mir nicht zu viele Gedanken. Vielleicht mache ich mir einfach unnütze Gedanken. Ich sitz zwar stundenlang bei mir zuhause rum und denk darüber nach, was ich für ein schlechter Mensch bin, was ich für ein scheiß Leben hab, weshalb ausgerechnet mir immer die ganze Scheiße passieren muss (ist natürlich alles vollkommen übertrieben, aber wie gesagt, Selbstmitleid ist auch so eine Spezialität von mir). Der einzige sinnvolle Schluss aus meinen verwirrenden Gedankengängen ist dann also, dass ich mir vielleicht vorher Gedanken machen sollte. Vorher überlegen, was ich will und es in die Tat umsetzten, anstatt hinterher heulend im Bett zu liegen. Wenn es mir dann auch gelingt, generell etwas positiver zu werden, könnte ich vielleicht endlich mal was auf die Kette kriegen. Was produktives, wie endlich rausfinden, was ich nach dem Abi studieren will oder so. Wäre ja mal was.
Jedenfalls ist es jetzt mein Ziel, an diesem Problem zu arbeiten. Mich endlich aus meinem Selbstmitleid und Pessimismus befreien und mich nicht regelmäßig für dumme Sachen entschuldigen müssen. Roberts Tod als einen Teil meines Lebens akzeptieren und nicht mehr als Entschuldigung für alles hinhalten. Allgemein endlich anfangen. Mit was, weiß ich zwar nicht genau. Einfach anfangen, statt nur rumzusitzen und erst dann zu viel zu denken, wenn's eh zu spät ist.
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